Apfelmost selber machen – So gelingt die eigene Produktion

Wenn die Apfelernte ansteht, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen, um Apfelmost, Apfelsaft oder sogar Apfelwein selbst herzustellen. Mit den richtigen Geräten, etwas Vorbereitung und einwandfreiem Obst gelingt die Eigenproduktion ganz einfach. Ob für den direkten Genuss, zur Vorratshaltung oder für die Herstellung von Cider – Apfelmost selbst zu machen lohnt sich geschmacklich und wirtschaftlich gleichermaßen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frisch geerntete, saubere Äpfel sind die Basis für hochwertigen Apfelmost.
  • Ohne Obstmühle und Obstpresse ist die Verarbeitung größerer Mengen kaum möglich.
  • Pro 100 kg Äpfel erhält man ca. 40 L Apfelsaft im Privathaushalt.
  • Pasteurisierung bei 80 °C verlängert die Haltbarkeit auf bis zu 2 Jahre.
  • Selbst gemachter Apfelsaft kann zu Cider, Essig, Likör oder Sirup weiterverarbeitet werden.

Wie stellt man Apfelmost selbst her?

Zur Herstellung von Apfelmost werden die Äpfel gewaschen, zerkleinert (mit einer Obstmühle) und anschließend in einer Obstpresse entsaftet. Der frische Saft wird je nach Wunsch pasteurisiert oder vergoren.

Die richtige Ausrüstung und die perfekten Zutaten

  • Äpfel: Wählen Sie eine Mischung aus säuerlichen Mostäpfeln und süßen Tafeläpfeln für ein ausgewogenes Ergebnis.
  • Ausrüstung: Für die Herstellung benötigen Sie eine Mostpresse, einen Gärballon, ein Gärröhrchen und einen Schlauch zum Abfüllen.
  • Hefe und Zusatzstoffe: Mosthefe ist unerlässlich für die Gärung. Hefenährsalz und Antigel helfen dabei, den Prozess zu optimieren.

Äpfel auswählen und vorbereiten

Für Apfelmost eignen sich am besten frisch geerntete Mostäpfel, Tafeläpfel oder auch Lageräpfel. Fallobst sollte nur verwendet werden, wenn es frei von Schimmel oder Fäulnis ist. Andernfalls drohen Fehlgärungen und gesundheitliche Risiken durch Mykotoxine. Achte darauf, Druckstellen großzügig auszuschneiden.

Die Äpfel sollten vor der Verarbeitung gründlich gewaschen und gegebenenfalls geviertelt werden. Je nach Gerätestandard kann dies sogar maschinell erfolgen. Der Geschmack des Endprodukts hängt stark von der Apfelsorte ab. Eine Mischung verschiedener Sorten sorgt oft für die beste Balance zwischen Süße und Säure.

Obstmühle und Zerkleinerung der Äpfel

Die Obstmühle ist unerlässlich, um aus ganzen Äpfeln eine verarbeitbare Maische zu erzeugen. Manuelle Mühlen reichen für kleine Mengen bis 100 kg pro Tag. Mit einem Akkuschrauber aufgerüstet, lässt sich die Leistung jedoch steigern. Bei größeren Gärten oder Erntemengen lohnt sich die Anschaffung eines elektrischen Modells oder eines Profigeräts mit bis zu 700 kg/h.

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Die feine Zerkleinerung der Äpfel ist entscheidend für eine hohe Saftausbeute. Wer bastelaffin ist, kann auch versuchen, eine Obstmühle selbst zu bauen. Dennoch empfiehlt sich für Einsteiger ein fertig entwickeltes Gerät. Der Preis zahlt sich mit steigender Nutzung schnell aus.

Saftausbeute und benötigte Apfelmengen

Die Menge an Apfelsaft hängt von Sorte, Mahlgrad und Pressdruck ab. Als Faustregel gilt:
Apfelmenge (kg) × 0,4 = Saftmenge (Liter)

Beispielhafte Tabelle:

Apfelmenge in kg Apfelsaft in Liter (ca.)
50 kg 20 L
100 kg 40 L
150 kg 60 L

Alternativ kann über das Volumen gerechnet werden:

Ein 10-Liter-Kübel enthält etwa 5 kg lose Äpfel = ca. 2–3 L Apfelsaft.
Ein 40-Liter-Kistchen ergibt etwa 8–12 L Saft. Die Mosterei Wurst gibt z. B. an: 150 kg Äpfel ergeben ca. 100 L Apfelsaft.

Pressen der Apfelmaische

Nach dem Mahlen folgt das Pressen. Hier kommt eine Obstpresse zum Einsatz. Die Apfelmaische wird in einen Pressbeutel gefüllt und in eine Spindel- oder Hydro-Presse gegeben. Für den Hausgebrauch reichen Modelle mit 6–30 L. Der Pressdruck sollte schrittweise aufgebaut werden, um möglichst viel Saft auszupressen.

Pro Durchgang können bei optimaler Befüllung 6–9 L Apfelsaft entstehen. Auch hier spielt der Mahlgrad der Maische eine entscheidende Rolle. Ein grober Mahlgrad führt zu geringerer Saftausbeute. Wer möchte, kann zusätzlich Enzyme zur Pektinspaltung einsetzen, um mehr und klareren Saft zu gewinnen.

Apfelsaft klären oder vergären

Nach dem Pressen kann der Saft direkt getrunken, pasteurisiert oder vergoren werden. Wer klaren Saft bevorzugt, kann auf Bentonit, Gelatine oder Kieselsol zur Klärung zurückgreifen. Für vegane Säfte ist Bentonit oder Kieselsol ausreichend. Der abgezogene Saft kann mit Reinzuchthefen zu Apfelwein oder Cider vergoren werden.

Wer Milchsäure, Zitronensäure oder Kaliumpyrosulfit zusetzt, erhält ein haltbareres Ausgangsprodukt – das ist aber für privaten Konsum nicht zwingend nötig. Spannend sind auch Varianten wie Apfellikör, Apfeleiswein oder Obstwein-Cuvées mit Quitte oder Aronia.

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Haltbarmachung: Pasteurisieren oder Einfrieren

Der frisch gepresste Apfelsaft ist nur wenige Tage haltbar. Daher empfiehlt sich das Pasteurisieren. Dabei wird der Saft auf ca. 80 °C erhitzt und heiß in sterile Flaschen abgefüllt. Die Mindesttemperatur beim Verschließen sollte 75 °C betragen. So bleibt der Saft bis zu 2 Jahre haltbar. Einkochautomaten oder Glühweinkocher sind für größere Mengen ideal.

Wer viel Saft herstellt, kann auf Edelstahl-Saftfässer setzen, die direkt beheizt werden. Alternativ lässt sich Apfelsaft auch einfrieren – am besten in rechteckigen Formen. Wer mag, kann den Saft auch zu Sirup einkochen oder als Basis für Bratapfelsaft, Apfellikör oder Apfelkraut verwenden.

Berechnung der Ausbeute und benötigte Mengen

Wer Apfelmost selber machen möchte, steht oft vor der Frage nach der benötigten Menge an Äpfeln. Als grobe Faustformel können Sie mit einer Mostausbeute von 40 bis 60 Prozent des Apfelgewichts rechnen; das bedeutet, dass Sie aus 10 Kilogramm Äpfeln realistisch 4 bis 6 Liter frischen Saft erhalten.

Die tatsächliche Ausbeute hängt stark von der Saftigkeit der verwendeten Mostäpfel, deren Reifegrad und vor allem von der Effizienz Ihrer Presse ab. Planen Sie, beispielsweise 20 Liter Apfelmost selber zu machen, benötigen Sie demnach etwa 35 bis 50 Kilogramm Früchte. Eine präzise Zerkleinerung der Äpfel zu Maische in einer Obstmühle erhöht den Saftaustritt signifikant.

Klärung und Abziehen des Mosts

Nachdem die Hauptgärung des Mosts beendet ist, sind die Schritte Klärung und Abziehen entscheidend für die Qualität. Das Abziehen bedeutet das vorsichtige Umfüllen des jungen Apfelmosts in ein neues, sauberes Gefäß, um ihn von der dicken Hefeschicht (Geläger) am Boden zu trennen.

Dieser Prozess sollte in der Regel nach etwa 4 bis 6 Wochen erstmals erfolgen und verhindert, dass der Most einen unangenehmen Hefegeschmack (Autolyse) annimmt. Zur weiteren Klärung können Mostliebhaber sogenannte Schönungsmittel (z.B. Bentonit) verwenden, welche feine Trübstoffe binden und sie am Boden absetzen, wodurch ein klarer, stabiler Apfelmost entsteht.

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Verwendung von Zusätzen (Schwefel/Hefenährsalz)

Für eine sichere und kontrollierte Vergärung beim Apfelmost selber machen sind zwei Zusätze ratsam: Reinzuchthefe (bereits in Gap 1 behandelt) und Schwefel (Kaliumpyrosulfit) sowie Hefenährsalz. Hefenährsalz ist essenziell, da Apfelsaft oft zu wenige Nährstoffe für die Hefe enthält, was zu einer stockenden Gärung führen kann.

Schwefel wird in geringen Mengen unmittelbar nach dem Pressen des Saftes hinzugefügt, um unerwünschte Bakterien und Wildhefen zu unterdrücken, die den Geschmack negativ beeinflussen könnten. Dieser chemische Schutz schafft die idealen Startbedingungen für die zugefügte Reinzuchthefe, sodass Sie einen geschmacklich reinen Apfelmost selber machen können.

Fazit

Apfelmost selbst zu machen ist kein Hexenwerk – mit dem richtigen Werkzeug und gesunden Äpfeln gelingt das ganz einfach. Ob für den frischen Genuss oder als Vorrat für den Winter: Selbstgemachter Apfelsaft oder Most schmeckt unvergleichlich gut. Wer mehr wagt, kann sogar Cider oder Likör daraus zaubern. So wird aus Ernteglück echtes Geschmackserlebnis.


Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wie messe ich den Mostgehalt?

Sie können den Zuckergehalt Ihres Mostes mit einem Öchslemeter messen.

Wie lange dauert es, bis der Apfelmost fertig ist?

Die Gärung dauert in der Regel 2 bis 4 Wochen. Danach muss der Apfelmost noch für einige Wochen reifen und klären.

Was mache ich, wenn der Apfelmost nicht gärt?

Überprüfen Sie die Temperatur des Raumes und stellen Sie sicher, dass die Hefe noch aktiv ist. Manchmal hilft es, etwas Hefenährsalz hinzuzufügen.

Kann ich den Most pasteurisieren, um ihn länger haltbar zu machen?

Ja, um die Gärung zu stoppen und den Most länger haltbar zu machen, kann er auf etwa 78 Grad Celsius erhitzt werden.

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