Speierling für den Apfelwein

Der in Deutschland wachsende Wildobstbaum, vereinzelt auch Sperberbaum oder Sporapfen genannte Speierling, gehört zu den Rosengewächsen und ist der Eberesche sehr ähnlich. Nur Geübte können den Baum anhand seiner 2-4 cm großen birnen- oder äpfelförmigen Früchte, die im September/Oktober reif sind, erkennen. Seine Hauptverbreitung ist Südeuropa, Balkan, Kleinasien und Nordwestafrika, wo ein Baum bis zu 600 Jahre alt werden kann. Ausgewachsen erreicht er eine Höhe von ca. 30 m und der Stamm eine Dicke bis zu 1m. Das dunkelbraune, harte Holz wird besonders gern zum Werkzeug-und Musikinstrumentenbau genommen, aber auch als Möbel-und Furnierholz findet es Verwendung.

Die Früchte sind essbar, aber erst im überreifen Zustand. In manchen Gegenden werden sie zu Mus oder Marmelade verarbeitet. Doch sind auch als alte Hausmittel bekannt, z. B. bei Übelkeit, woher auch der Name Speierling herrührt. Doch zum Apfelweinkeltern werden die Früchte gebraucht. Fertig gegärter Apfelwein, als reines Naturprodukt, ist normalerweise naturtrüb. Wird der gerbstoffreiche Saft unreifer Früchte in Mengen von 1-3 % hinzugefügt, wird der Apfelwein klar und nimmt ein wenig den Geschmack an, um dann trocken und fruchtig zu schmecken. Apfelwein wird geschwefelt, um so haltbar zu bleiben. Die bessere Möglichkeit jedoch ist, den Saft saurer Früchte in kleinen Dosen hinzuzufügen. Außer mit Speierling erreicht man dies auch mit Quitte, Schlehe oder Eberesche.

Der Speierling ist in Deutschland selten geworden und wächst nur in bestimmten Gebieten, wie im Rhein-Neckar-Mosel-und Nahetal, im Taunus und in Unterfranken, da er als Lebensgrundlage warme, trockene Eichen-Hainbuchen-Wälder bevorzugt. Der Wachstumsrückgang wurde in den letzten 100 Jahren, durch die Aufforstung der Hochwälder in Deutschland und Europa verzeichnet, daher wurde er 1993 – in Österreich 2008 – zum Baum des Jahres gekürt. Ein Lichtblick in Hessen, wo insgesamt ca. 400-500 Exemplare vorhanden sind, die älter als 80 Jahre sind. Allein in Kronberg bei Frankfurt stehen 47 alte und ca. 100 junge Bäume. Es ist immer sehr traurig, wenn aus Gründen des Profits Flora und Fauna immer mehr ins Hintertreffen geraten oder gar ganz aussterben.

Ähnliche Beiträge

Apfelweinbowle Apfelwein Bowle ist zwar nicht neu, aber neuerdings der Renner auf zahlreichen Partys und Feten von Silvester bis zur einfachen Grillparty. Dabei ist ...
Met – Süßes aus dem Mittelalter? "Wikingerblut", "Odinsblut" und "Drachenblut" - das sind nicht etwa Begriffe aus düsteren Fantasy-Büchern, sondern Namen für Getränke in Verbindung mi...
Apfelwein auf der Schiffstour genießen Apfelwein-Fans, die den Genuss des kühlen Nass mit einem ganz besonderen touristischen Highlight verbinden möchten, haben ab dem 28. Januar die Gelege...
Cidre – der Apfelwein aus Frankreich Bild von Mahlum Die Historie von Apfelwein geht bis in vorchristliche Zeiten zurück und ist stark von Mythen umrankt. Etymologisch bedeutet de...

Ein Kommentar

  1. Peter Eckermann sagte:

    für den Speierling fing ich an mich zu interessieren, als dieser zum Baum des Jahres gekürt wurde. Seitdem habe ich einen davon in meinem Garten wachsen lassen.
    Die ersten acht Jahre hatte er noch keine Früchte. Jedes Jahr erfreute er uns mit unterschiedlichsten Verfärbungen des Herbstlaubes.
    Inzwischen ist dieser Baum gut 15 m hoch und etwa 8 m breit geworden, erzeugt aber mit seinen filigranen Blattwerk nur einen milden Halbschatten.
    Die Färbung im Herbst ist entweder zweifarbig gelb grün gesprenkelt. Im nächsten Jahr dann wieder durchgehend rot, mit Verlauf bis an die Spitze in Richtung Orange. Immer neue Herbstverfärbungen sind möglich.

    14. Juni 2018
    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.